Das Thema Inhaltevergütung ist durch die anstehende GEZ-Reform, den Hype um den noch im Beta-Stadium steckenden Vergütungsdienst flattr in Onlinekreisen und immer wiederkehrende Debatten über die Kulturflatrate in diversen Formen gerade wieder sehr aktuell und hat auch mich mal wieder zum Nachdenken gebracht, wie die Vergütung für Inhalte zeitgemäß gelöst werden könnte, insbesondere auch unter dem Aspekt massiver Sparzwänge aufgrund von Aborückgängen in Zeitungsverlagen.
Es ist wohl allen klar, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher: Viele Zeitungen kämpfen ums Überleben, weil viele Menschen sich heute eben lieber online aktuell aus verschiedenen Quellen informieren, als sich morgens durch die von einem Anbieter ausgewählten Nachrichten des Vortages zu lesen. Das kann man meiner Meinung nach niemandem verübeln; Ich gehöre selbst auch zu den Menschen, die ihr Süddeutsche-Print-Abo schon vor einiger Zeit gekündigt haben. Trotzdem ist mir klar, dass gute Artikel von guten JournalistInnen geschrieben werden müssen, die dafür auch entlohnt werden wollen. Ich habe daher auch schon den Versuch mit Online-Abos gemacht, war davon aber leider auch nicht überzeugt: Auch dabei bekommt man wieder nur eine einer Print-Zeitung nachempfundene in der Aktualität stark eingeschränkte Version, die mir nicht die aktive Selbstauswahl der mich interessierenden Artikel und Quellen ermöglicht.
Dies alles würde natürlich direkt für den z.B. von der taz seit Kurzem unternommen Versuch sprechen, flattr einzubinden, um eben je nach "Verbrauch" entlohnt zu werden. Bei journalistischen Inhalten sehe ich dies jedoch auch wieder äußerst kritisch, da man sich in Zeiten von Sparzwängen in wohl allen Zeitungsverlagen an fünf Fingern ausrechnen kann, was da bei einer Kosten-Nutzen-Rechnung der Chefetagen mit Recherchen und Artikeln zu Randthemen passieren wird: Die Zeitungen werden auf Dauer zu Boulevard-Themen-Schläudern verkommen, da reißerische Artikel voraussichtlich die meisten Klicks erhalten werden. Ein Verlust der thematischen Breite von Zeitungen wird die Folge sein und kann auch nicht die Lösung sein. Ich würde ein flattr-Modell auch für Zeitungen gut heißen, wenn statt einzelner Artikel die ganze Zeitung "geflattert" werden könnte.
Eine sofort umsetzbare Zwischenlösung bis zur Einrichtung eines funktionierenden öffentlichen Systems a la flattr in Verbindung einer Kulturflatrate o.ä. wäre meiner Meinung nach die Integration von einfachen Web-Bezahlfunktionen wie PayPal o.ä. in die Onlineauftritte von Zeitungen, so dass Menschen schon jetzt das für das entsprechende Angebot zahlen könnten, was es ihnen wert ist. Online-Abos sind meiner Meinung nach viel zu starr und auch zu teuer für moderne VielmediennutzerInnen. Ich schließe doch nicht fünf verschiedene Online-Abos ab, nur weil ich hier und da immer wieder ein paar Artikel lese! Einen gewissen frei wählbaren Betrag wären mir (und sicherlich vielen anderen) gute Onlineauftritte der Zeitungen aber eben schon wert. Es ist mir unverständlich, warum solch einfach nutzbare Möglichkeiten mindestens ein paar Einnahmen zu generieren von den Zeitungen nicht genutzt werden.
Anstatt über eine Reform der GEZ zu diskutieren, sollte jetzt die Chance genutzt werden, endlich ein zukunftsfähiges Vergütungssystem einzuführen anstatt vehement an dem Verteilungsmodell und Medienbild aus dem 20. Jahrhundert fest zu halten. So sollte denke ich dringend hinterfragt werden, ob eine singuläre Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sinnvoll ist, oder ob statt dessen das Geld nicht endlich an alle Medien gleichmäßig oder sogar nach einem verbrauchsorientierten Schlüßel verteilt werden sollte.
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